„Tod einer Journalistin“: So wird der neue „Polizeiruf 110“ am Sonntag

  • Für Wachtmeister Horst Krause und seine junge Chefin Olga Lenski gilt es am Sonntagabend den Tod einer Journalistin aufzuklären.
  • Eine Geschichte voller Irrungen und Wirrungen wartet auf den „Polizeiruf 110“-Zuschauer.
  • Nichtsdestotrotz ist der Fall so gradlinig erzählt, dass er diesem gut folgen kann – eine Kritik.

Lang ist her, da tuckerte gemütlich der schwergewichtige Wachtmeister Horst Krause mit seinem Schäferhund in einem alten Beiwagen-Motorrad durch die brandenburgische Provinz bei Potsdam. Und obwohl seine recht junge Chefin Olga Lenski (Maria Simon) ein bisschen frischen Wind in diese „Polizeiruf“-Fälle brachte, ging’s in den Filmen der Reihe meist eher gemächlich zu. Inzwischen hat der gute Krause seine eigene kleine Serie in der ARD, während Lenski im Grenzgebiet in einer deutsch-polnischen Polizeieinheit arbeitet und dort seit acht Folgen von Adam Raczek (dem deutsch-polnischen Schauspieler Lucas Gregorowicz) unterstützt wird. Doch vor allem haben die Filme seitdem wesentlich mehr Brisanz, aber auch Tempo bekommen – wie zuletzt in „Heimatliebe“, der von Ewiggestrigen erzählte, die die Oder-Neiße-Grenze rückgängig machen wollten.

Brisant ist auch der neuste Beitrag „Tod einer Journalistin“, der womöglich sogar Proteste nationalistischer Polen provozieren könnte. In dem schmutzig-mörderischen Komplott, das dieser spannende Krimi beschreibt, haben jedenfalls höchste polnische Kreise ihre dreckigen Finger mit im Spiel. Und auch die kritische Darstellung der dortigen Justiz ist alles andere als charmant. Dabei geht’s um ein tatsächlich brisantes Thema: dem auch in der Realität geplanten Bau von Atomkraftwerken, die die schmutzigen polnischen Kohlekraftwerke ersetzen sollen. Ein Thema, das erstaunlich differenziert in dem Film dargestellt wird – jedenfalls im beschränkten Rahmen eines ARD-Sonntagskrimis.

Lupenreiner Politthriller

Aber zuerst wird natürlich gemordet. Opfer ist die Investigativjournalistin Anne Gerling (Antje Traue), die sich vor allem mit Umweltthemen einen Namen gemacht hat. Und die Umstände ihres Todes sind zumindest für die ermittelnden Polizisten um Lenski und Raczek anfangs sehr mysteriös. Der Zuschauer allerdings weiß da wesentlich mehr. Er sieht nämlich, wie Gerling nachts auf einer Straße unterwegs ist, während ein Scharfschütze mit geladener Waffe auf sie wartet. Doch noch bevor er schießen kann, kommt die Journalistin mit ihrem Wagen von der Straße ab. Sie liegt daraufhin schwer verletzt in ihrem Auto und wird dort dann mittels Genickbruch von dem unbekannten Killer getötet.

Bei den Ermittlungen stellt sich bald heraus, dass am Unfallwagen alle Radmuttern gelöst gewesen sind, dass die schwangere Journalistin eine Affäre mit einem verheirateten Richter (Maciej Stuhr) gehabt hat und dass ihre letzten Recherchen sich mit dem umstrittenen Bau eines Atomkraftwerkes kurz hinter der polnischen Grenze beschäftigt haben. Und was die Sache noch explosiver macht: Ihr Liebhaber ist der leitende Richter in einem gerade laufenden Prozess, bei dem es um Einsprüche gegen den Bau des Kraftwerks geht.

Aus dieser Konstellation, die noch wesentlich komplexer als hier dargestellt ist, haben Regisseur Stephan Rick und die Autoren Silja Clemens sowie Thorsten Wettcke dann einen fast lupenreinen Politthriller entwickelt. Dabei geht’s um übelste, auch mörderische Machenschaften, in die gleich mehrere einflussreiche Gruppen und Institutionen verstrickt sind – beispielsweise staatliche polnische Stellen, ein deutsch-französisches Konsortium, das das angeblich „grüne“ Atomkraftwerk bauen möchte. Oder auch Gutachter, die käuflich sind. Aber das Ganze hat auch eine menschliche, eher private Seite. So gerät die Frau des Richters in Verdacht, aus Eifersucht die Radmuttern gelöst zu haben. Und auch Regine Arnim (Julika Jenkins), die das Baukonsortium in Umweltfragen berät und einst eine Ikone der Anti-Atomkraft-Bewegung gewesen ist, ist offenbar nicht ganz koscher.

Gelungener Sonntagskrimi

Doch bei all den Verstrickungen, den Irrungen und Wirrungen ist der Film so gradlinig erzählt, dass der Zuschauer der Geschichte gut folgen kann. Nur die Ermittler sind angesichts des Komplotts angespannter als sonst, besonders weil sie bei ihrer Arbeit ins Visier der Mächtigen geraten. So bleibt in dieser Folge kaum Zeit für das sonst übliche rhetorische Gekabbel zwischen Lenski und Raczek, aber für ein paar unterhaltsame Bemerkungen zum antiquierten Frauenbild des polnischen Kollegen reicht’s dennoch. Kurzum: ein sehr gelungener Jahresabschluss der ARD-Sonntagskrimis.

via rnd

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