„Star Wars 9“: Spoilerfreie Rezension zum großen Finale

Okay, man soll am besten ja gar nichts ausplaudern. Der Zorn von „Star Wars“- Fans, denen wesentliche Wendungen ihrer Leib- und Magensaga vorab verraten werden, dürfte kaum schwächer ausfallen als jener Hass, den der sinistre Imperator Palpatine in der Ur-Trilogie in dem jungen Luke Skywalker zu wecken versuchte. Oh pardon – ist die Nennung des Namens Palpatine im Zusammenhang mit dem neuen Film „Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers“ jetzt schon ein Spoiler?

Nein, eher nicht. Nicht angesichts der bisherigen Trailer, von denen der jüngste innerhalb nur eines Monats von 34 Millionen YouTube-Nutzern angeklickt wurde. Eine Zahl, die verrät, mit welcher Spannung dieser Film erwartet worden ist.

Was kann man also sagen über diesen nun wohl endgültigen Abschluss der Skywalker-Saga, ohne diese vorfreudige Spannung zu zerstören? Vielleicht kann man einen Satz zitieren: „Die Waffe eines Jedi verdient es, mit mehr Respekt behandelt zu werden“, heißt es an einer Stelle im Film.

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Seitenhieb auf „Episode VIII“

Es darf vermutet werden, dass dieser Satz (und wer ihn in welcher Situation sagt) mit Szenenapplaus belohnt wird von all jenen Fans der Serie, die auf den Vorgängerfilm „Episode VIII“ gar nicht gut zu sprechen sind. Deren Regisseur Rian Johnson hatte sich einige Freiheiten herausgenommen, um dem altbewährten Stoff frische Impulse zu geben.

Das brachte ihm harsche Kritik ein. Er war allerdings nicht er erste, der unterschätzt hatte, dass George Lucas mit der Ur-Trilogie von „Star Wars“ (1977 bis 1983) nicht einfach ein neues Weltraummärchen erfunden, sondern unabsichtlich so etwas wie eine neue Religion gegründet hatte. Sogar Lucas selbst hatte mit seiner Prequel-Trilogie (1999 bis 2005) die Missbilligung enttäuschter Jünger auf sich gezogen.

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Rundum-Service für Fans

J. J. Abrams, der die Abschluss-Trilogie 2015 mit „Das Erwachen der Macht“ begonnen hatte und nun auch das Finale inszeniert hat, geht in dieser Hinsicht kein Risiko ein. „Episode IX“ setzt auf Rundum-Service für Fans der klassischen Trilogie, zu denen – dank Heimkino – mittlerweile mehrere Generationen gehören. So gut wie alle bekannten und beliebten Figuren bekommen individuell markante Auftritte.

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Szenen mit viel Gefühl

Tatsächlich ist es gelungen, die Ende 2016 verstorbene Carrie Fisher als Generalin Leia dank bislang nicht verwendeter Szenen in die Handlung zu integrieren. Und zwei nichtmenschlichen Figuren der Ur-Trilogie gehören sogar zwei der bewegendsten Momente. Wobei der Zweieinhalb-Stunden-Film vollgepackt ist mit Gefühlen zwischen Wiedersehensfreude und Abschiedsmelancholie, und es ist keine kleine Leistung, wie gut Abrams hier das Timing zwischen Spannung, Rührung und Humor trifft.

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„Wow“-Effekte wirken übertrieben

Zuviel des Guten macht „Der Aufstieg Skywalkers“ allerdings beim Versuch, sein Publikum zu überwältigen: Gleich die ersten zehn Minuten mit einem Horrortrip ins Herz der Sith-Finsternis und einer aberwitzigen Verfolgungsjagd drücken einen mehr in den Kinositz als andere Filme es beim Showdown schaffen.

Dass man mitunter das Gefühl hat, der Film wolle unbedingt auch noch Fans von „Der Herr der Ringe“ und „Game of Thrones“ erreichen, ist der Schlüssigkeit dieses Kosmos ebenso wenig zuträglich wie das Bemühen um heroische „Wow“-Effekte in der finalen Schlacht: Selbst innerhalb der weit, weit entfernten Galaxis von „Star Wars“ ist es nicht cool, sondern schlichtweg Mumpitz, ohne Schutzanzug außen auf einem fliegenden Raumschiff herumzurennen.

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Überzeugende Hauptdarsteller

Andererseits: Just in jenem Jahr, in dem „Game of Thrones“ gezeigt hat, wie man eine großartige Reihe im Endspurt an die Wand fährt, ist „Der Aufstieg Skywalkers“ ein in mehrfacher Hinsicht versöhnliches Spektakel. Auch, weil sich die Besetzung der jungen Hauptfiguren auszahlt. Daisy Ridley überzeugt als innerlich zerrissene Rey, die sich vor der eigenen Verführbarkeit zum Bösen fürchtet.

Ihr Gegenüber Adam Driver ist eine Wucht als Kylo Ren, der schwarzgewandete und von Gewissensbissen geplagte Schurke. Mit seiner vielschichtigen Darstellung trägt Driver nicht nur mit Ridley den dramaturgischen Bogen der neuen Trilogie. Er lässt auch noch das Potenzial erahnen, das die Prequel-Trilogie mit einem Anakin-Darsteller dieser Qualität hätte haben können.

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Kann da noch was kommen?

Auch deshalb ist „Episode IX“ ein runder Abschluss für diesen Stoff, der hiermit allerdings endgültig auserzählt sein dürfte. Nach Anakin, Luke und Rey irgendwann noch eine vierte Generation in den Zwist zwischen der hellen und der dunklen Seite der Macht zu stoßen wäre dann wirklich nur noch ein Aufguss vom Aufguss.

via bnn


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