Newcomer drängen sich ins Bild

Kaum hat sie Marcel Hirscher verlassen, klopfen zwei schmächtige Burschen an die Tür zur großen Bühne an. Die B-Kader-Athleten Adrian Pertl und Fabio Gstrein empfahlen sich nicht zuletzt in Kitzbühel für weitere, höchste Aufgaben. Die nächste steht schon am Dienstag (17.45 und 20.45 Uhr, live in ORF1) mit dem Nachtslalom in Schladming an.

Der 23-jährige Pertl schürte im Ganslern-Slalom am Sonntag die Zukunftshoffnungen. Völlig überraschend war er mit Startnummer 73 als 24. erstmals ins Finale eines Weltcup-Slaloms gekommen, mit Laufbestzeit sorgte er als Achter letztlich für Furore. Erstmals hatte er auf dem roten Leadersessel Platz genommen – und sogar sehr lange. Gstrein untermauerte als 16. seine Zukunftsambitionen. Sein Talent hatte er als Siebenter in Adelboden schon unter Beweis gestellt. Viermal fuhr er in dieser Saison in die Punkteränge, was ihm in den beiden Jahre davor im Weltcup nicht einmal gelungen war.

„Wieder ein paar Punkte mitgenommen. Die Leistung war okay“, sagte der 22-jährige Tiroler nach Kitz. Dass er sich damit nicht zufriedengab, zeugte vom nötigen Ehrgeiz, der für die Weltspitze erforderlich ist. So viel TV-Zeit wie Pertl in Kitzbühel war Gstrein annähernd in Adelboden gewidmet worden, als er vom 17. noch auf den siebenten Platz fuhr. Eine Laufbestzeit wie Pertl in seinem erst fünften Weltcup-Einsatz gelang dem Tiroler zuletzt in Wengen, als er sich in der Entscheidung vom 26. auf den zwölften Rang vorschob. In Kitzbühel fehlte ihm dafür das Tempo nach dem Steilhang. „Mit mehr Schwung ins Flache, daran muss ich noch arbeiten“, so Gstrein.

Pertl bekam als erstmals Führender in einem Weltcup-Rennen Lust auf mehr. Auf perfekt präparierter Piste hatte er in Kitzbühel auch mit hoher Nummer sein Können ausspielen können. Nach dem zweiten Lauf sah er trotz Bestzeit noch Luft nach oben. „Ich war überrascht, dass ich so lange unten sitzen durfte. Mein Gefühl war gar nicht so gut“, sagte der Kärntner, der plötzlich im Rampenlicht stand. So soll es in Schladming weitergehen, wo er vor zwei Jahren bei seinem Weltcup-Debüt nicht die Qualifikation für die Entscheidung geschafft hatte.

Teamkollegen schwärmen

Der Kitz-Zweite Marco Schwarz gab sich von Pertls Leistung angetan, aber nicht überrascht. „Schon in den letzten Trainings ist er extrem stark gefahren“, sagte der ein Jahr ältere Kärntner, der mit seinem engeren Landsmann schon in Kindheitstagen trainiert hatte. Dass Pertl nun im Weltcup Fuß gefasst habe, freute Schwarz umso mehr. „Pertl ist richtig gut. Man hat gesehen, wozu er fähig ist, wenn er mal dabei ist“, so Michael Matt, der über Gstrein sagte: „Fährt echt lässig Ski, heuer hat er endlich die dazu passenden Ergebnisse. Für uns ist wichtig, mehr Leute in den Top 30 zu haben, damit wir als Team in Zukunft wieder breiter aufgestellt sind.“

Schladming? „Ich werde es genauso anlegen wie in Kitz, schauen, dass ich in die Top 30 rutsche und dann schauen, was am Ende rauskommt“, so Pertl, der wie Gstrein durch die harte Europacup-Schule gegangen war. Nach Hirschers Abschied und der Verletzung von Christian Hirschbühl waren im Weltcup-Team Plätze frei geworden. Beide nützten ihre Chance zur Freude von Technik-Trainer Marko Pfeifer, der die Spezialisierung der beiden auf den Slalom forcierte. Dem galt seit Dezember die volle Konzentration im Weltcup. Im Europacup waren Pertl und Gstrein auch im Riesentorlauf gestartet.

Wenn Träume wahr werden

Das Nightrace wird schon der vierte Slalom-Klassiker in Folge für die beiden nach Adelboden, Wengen und Kitzbühel sein. Davon hatten sie Anfang Jänner nur geträumt. „Das hätte ich nie geglaubt, dass es so schnell aufwärts geht“, sagte Pertl. „Richtig cool, dass wir jetzt auch die schweren Hänge kennenlernen und Erfahrung sammeln können. Jetzt freue ich mich schon richtig auf Schladming, das nächste super Heimrennen, vielleicht geht es dort so ähnlich weiter.“ Die Form und Motivation dafür sei jedenfalls da, wie Trainer Pfeifer schon davor wusste und Kitzbühel bestätigte.

Dass der Hang auf der Planai anders und steiler ist als der Ganslern, dessen Herausforderung in den zahlreichen Geländeübergängen liegt, soll Pertl an einer guten Leistung in Schladming nicht hindern, zumal er hier zur Schule ging und also das Rundherum und den Hang bestens kennt. Für Pertl ist es quasi ein echtes Heimrennen, wie einst fast für Hirscher, der wenige Kilometer entfernt in Annaberg-Lungötz lebt und in Schladming im Vorjahr zum dritten Mal gewann. „Ich kenne den Hang gut und freue mich darauf. Ich denke, dass mir das Rennen liegen wird“, sagte Pertl, der schon in jungen Jahren von seinem Vater mit Erfolg zum Skisport gebracht worden war, mit 15 sein erstes FIS-Rennen bestritt.

Skifahrerfamilie Gstrein

Gstrein wurde das Skifahren in die Wiege gelegt. Seine Mutter war ebenfalls Rennläuferin, sein Vater Weltmeister der Skilehrer. Bernhard Gstrein, der Slalom-Olympiazweite von Calgary 1988, ist sein Großcousin. Tipps für Schladming blieb er schuldig, wurde das Nightrace doch erst im Jahr nach dessen Karriereende 1996 aus der Taufe gehoben. Dafür sollen die Fans helfen. „Wir haben alle Zeug dazu, in den zweiten Durchgang zu kommen“, sagte Fabio Gstrein. „Umso mehr Leute zuschauen und anfeuern kommen, umso leichter wird es für uns, wenn sie uns den Hang hinuntertragen.“

Beim Schladming-Debüt 2019 war er im Finale wie Pertl im Jahr davor nur mehr Zuschauer. „Ich hoffe, dass es diesmal besser geht. Beim ersten Mal habe ich nur runtergesucht“, sagte Gstrein. Der Hang flößte ihm Respekt ein. „Weil er lang und steil ist, und oben muss man brutal rauspushen. Da hab ich mir letztes Jahr noch schwer getan. Mit den guten Ergebnissen davor geht das heuer schon leichter.“ 2019 startete Gstrein als 66. (Platz 50), diesmal trägt er Nummer 24, Pertl 71. Eröffnet wird das Nightrace von Schwarz.

via sport.orf

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