“Gott liebt auch den Schlimmsten”

Papst Franziskus hat die Menschen zu Weihnachten zu selbstloser Mitmenschlichkeit aufgerufen. Bei der traditionellen Christmette im Petersdom hob er außerdem die Bedeutung der Weihnachtsbotschaft hervor.

Von Sarah Zerback, ARD-Studio Rom

Zum Auftakt singt ein Tenor des Päpstlichen Chors von der feierlichen Ankündigung der Geburt Jesu und von der Herbergssuche von Maria und Joseph in Bethlehem. Es ist kein Zufall, dass Papst Franziskus in seiner Predigt dann ausgerechnet die Legende eines armen Hirten schildert, der als einziger nichts zu geben hatte – und der am Ende die größte Gabe der Geschichte in Händen hielt: Jesus Christus.

“Lieber Bruder, liebe Schwester, wenn deine Hände dir leer erscheinen, wenn du dein Herz arm an Liebe siehst, so ist dies die Nacht für dich. Die Gnade Gottes ist erschienen, um in deinem Leben aufzuleuchten. Nimm sie an und in dir wird das Licht der Weihnacht leuchten.”

Die Armen, die Ausgegrenzten und Schwachen – für sie setzt sich Papst Franziskus immer wieder ein. Ihnen allen spricht er auch am Heiligen Abend Mut zu, denn in Jesus habe sich der Höchste klein gemacht, um von uns geliebt zu werden.
“Während hier auf Erden alles der Logik des Gebens um des Habens willen zu folgen scheint, kommt Gott ‘gratis’. Seine Liebe ist nicht verhandelbar: Wir haben nichts getan, um sie zu verdienen und werden es ihm nie lohnen können.”
Massive Sicherheitsvorkehrungen
Ordensschwestern, Bischöfe, Kardinäle, Mitglieder des diplomatischen Korps und Tausende Katholiken aus aller Welt haben den Worten des Papstes in Rom gelauscht, in der Papstbasilika und auf dem Petersplatz, begleitet von massiven Sicherheitsvorkehrungen. In seiner Predigt erinnert Franziskus mehrfach an den Kern der Weihnachtsbotschaft: Frieden auf Erden und an das Christkind, als Zeichen der Liebe Gottes zu den Menschen.

“Wir werden keine Ausreden mehr haben, um uns von ihm nicht lieben zu lassen: Was im Leben schiefgeht, was in der Kirche nicht funktioniert, was in der Welt nicht in Ordnung ist, wird nicht mehr eine Rechtfertigung sein. Es wird an die zweite Stelle rücken, weil es angesichts der wahnsinnigen Liebe Jesu, einer Liebe, die ganz Sanftmut und Nähe ist, keine Ausreden gibt.”

“Urbi et Orbi” heute Mittag
Das Weihnachtsfest soll die Menschen verbinden – mit der Krippe, die das Evangelium ganz lebendig in Häuser, Schulen, an den Arbeitsplatz, in Krankenhäuser, Gefängnisse und auf die öffentlichen Plätze bringe, so hat der Papst es noch am Nachmittag getwittert. Am Heiligen Abend ruft er dann dazu auf, auf die Liebe Gottes zu vertrauen.
“Weihnachten erinnert uns, dass Gott fortfährt, jeden Menschen zu lieben, auch den schlimmsten. Wie oft denken wir, dass Gott gut ist, wenn wir gut sind, und dass er uns straft, wenn wir böse sind. So ist es nicht. In unseren Sünden fährt er fort, uns zu lieben. Seine Liebe ändert sich nicht, sie ist nicht nachtragend; sie ist treu, sie ist geduldig.”
Meditation, Gesang, Gebet und Predigt waren Teil der rund anderthalbstündigen Liturgie. Am Mittag wird der Papst dann seine Weihnachtsansprache halten, von der Mittelloggia von St. Peter aus. Danach spendet er den päpstlichen Segen Urbi et Orbi, der Stadt und dem Erdkreis. Es ist der Höhepunkt der Weihnachtsfeierlichkeiten des Papstes – der siebten des 83-Jährigen Argentiniers.

via tagesschau

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