Der deutsch-russische Mordkampf erhöht die Spannungen für Merkel

Der gewaltsame Tod eines ehemaligen tschetschenischen Rebellenbefehlshabers durch einen mutmaßlichen russischen Attentäter in einem Berliner Park hat viele Deutsche schockiert und empört.

Zelimkhan Khangoshvili wurde im August am helllichten Tag in den Kopf geschossen.

Deutschlands höchste Staatsanwaltschaft glaubt, die Beweise deuten auf einen kaltblütigen Auftrag hin, der auf deutschem Boden getötet wurde und entweder von russischen Behörden oder von der tschetschenischen Republik angeordnet wurde.

In Gewahrsam ist ein Verdächtiger, der kurz vor dem Mord aus Russland angereist ist.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nicht für leidenschaftliche öffentliche Ausbrüche bekannt. Aber selbst als ihre Regierung zwei russische Diplomaten wegen des Mordes ausschloss, gab es vielleicht andere Gründe für ihre Zurückhaltung, als sie am Ende des Nato-Gipfels in London die Fragen der Reporter beantwortete.

Sie habe vorgehabt, den Fall mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Sprache zu bringen, als sie ihn nächste Woche in Paris traf. Die Ausweisung der Diplomaten sei eine Reaktion auf die Weigerung Russlands, bei den laufenden Ermittlungen zu helfen.

Die Enthüllungen über den Berliner Mord kommen zu einer heiklen Zeit.

Die beiden Staats- und Regierungschefs werden am Montag zusammen mit dem französischen und dem ukrainischen Präsidenten zusammentreffen, um den Konflikt in der Ostukraine zu deeskalieren.

Bisher sind nur geringe Fortschritte zu verzeichnen. Dies ist das erste Mal seit drei Jahren, dass sich die Parteien zu einem Treffen im Rahmen des sogenannten Normandie-Formats bereit erklärt haben.

Frau Merkel, die zusammen mit dem ehemaligen französischen Präsidenten François Hollande das Format initiiert hat, ist gespannt auf ein erfolgreiches Ergebnis.

Viele haben Vergleiche zwischen dem Fall Berlin und der Vergiftung durch Skripal im März 2018 in Großbritannien gezogen, als der ehemalige Doppelagent Sergei Skripal und seine Tochter Yulia mit einem Nervenagenten angegriffen wurden. Eine 44-jährige Frau starb, nachdem sie mit dem Nervenagenten in Kontakt gekommen war.

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Die Forderung nach weiteren Maßnahmen gegen Russland ist in Deutschland eher verhalten als in Großbritannien.

Nehmen wir Roderick Kiesewetter, einen hochrangigen Abgeordneten von Angela Merkels CDU-Partei, der die Weigerung Russlands, bei deutschen Ermittlungen mitzuwirken, verurteilte, aber auch sagt, dass er keine Eskalation erwarte und dass die beiden Länder “weiterhin ein vernünftiges Verhältnis” unterhalten werden.

Die etwas abgemessene Reaktion ist zum Teil Angela Merkels Führungsstil zuzuschreiben. Es geht aber auch um das ebenso komplexe wie widersprüchliche Verhältnis zwischen Berlin und Moskau.

Frau Merkel zum Beispiel hat die Annexion der Krim 2014 durch Russland schnell verurteilt und verteidigt seitdem die EU-Sanktionen gegen Moskau.

Sie hat sich aber auch für die Nord Stream 2-Pipeline stark gemacht, die die Menge an russischem Gas, das über Deutschland nach Europa gelangt, verdoppeln wird.

Deutschland und Russland sind in gewisser Hinsicht eng miteinander verbunden – wirtschaftlich, geografisch und sozial.

Tausende deutsche Unternehmen machen Geschäfte mit Russland und setzen sich gegen Sanktionen ein, von denen sie behaupten, dass sie den Handel lähmen.

Eine aktuelle Umfrage ergab, dass jeder dritte Deutsche Russland positiv bewertet. Diese Zahl ist im alten Osten des Landes, der einst von der Sowjetunion kontrollierten Deutschen Demokratischen Republik, höher.

Angela Merkel und Vladimir Putin sind Produkte dieser gemeinsamen Geschichte.

Der russische Präsident, damals ein junger KGB-Offizier, war in Dresden stationiert und lebte in der DDR, wo Angela Merkel als junge Wissenschaftlerin Karriere machte. Er spricht etwas Deutsch, sie etwas Russisch.

Es ist 12 Jahre her, seit Putin wusste, dass sie Hunde fürchtete und sein schwarzes Labrador-Tor eines seiner frühen Treffen mit dem deutschen Bundeskanzler zum Absturz brachte.

Heutzutage soll er einen widerwilligen Respekt vor der Frau haben, die sich wie er als eine der dienstältesten Führerinnen des Kontinents herausgestellt hat. Und sie hat sich einen Ruf als Gesprächspartnerin des Westens mit dem russischen Führer erarbeitet.

Es wird nicht das erste Mal sein, dass Frau Merkel den russischen Präsidenten konfrontiert.

Nur wenige erwarten Antworten auf ihre Fragen zum Mord im Kleinen Tiergarten.

Sie weiß jedoch, dass dieses Treffen stattfindet, da die EU selbst nicht sicher ist, wie sie ihre künftigen Beziehungen zu Russland gestalten soll. Und Wladimir Putin weiß es auch.

Via BBC World News

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