Exzentrisch, rebellisch, vom Schicksal gebeutelt: Dichterin Else Lasker-Schüler

Als junge Frau um 1900 stach sie deutlich heraus: Else Lasker-Schüler brach mit Konventionen und ging als Vorreiterin der avantgardistischen Moderne in die Geschichte ein.

Sie galt als exzentrisch und verweigerte sich der traditionellen Frauenrolle: Else Lasker-Schüler trug kurze Haare und weite Hosen, heiratete im Jahr nach ihrer ersten Scheidung gleich ihren zweiten Ehemann und verwirklichte sich in literarischen Werken und Kunst. Ihre ersten Lebensjahre verbrachte sie in Elberfeld, im heutigen Wuppertal, wo sie am 11. Februar 1869 als Elisabeth Schüler zur Welt kam. Als jüngstes von sechs Kindern eines wohlhabenden Privatbankiers wuchs sie behütet auf und bekam Privatunterricht von ihrer Mutter, die sie zur Kreativität ermutigte.

Mit 25 Jahren heiratete sie Jonathan Lasker und zog mit diesem nach Berlin, wo Lasker-Schüler schließlich ihren Durchbruch feierte: Mit ihrem ersten Gedichtband “Styx” wurde sie bekannt. Dort entstanden auch einige ihrer künstlerischen Werke – Zeichenunterricht bekam sie vom Maler Simson Goldberg.

Vorreiterin der avantgardistischen Moderne

Ihr einziger Sohn Paul stammt Lasker-Schüler zufolge nicht von ihrem damaligen Ehemann, sondern von einer Affäre. Die Ehe mit Lasker ging folglich in die Brüche, doch Else heiratete noch im selben Jahr der Scheidung Herwarth Walden, den Herausgeber der Zeitschrift “Der Sturm”. In dieser veröffentlichte Else Lasker-Schüler einige ihrer Werke und mauserte sich zu einer der bekanntesten Vertreterinnen des Expressionismus. In der Szene war sie gut vernetzt und tauschte sich mit Größen wie dem Künstler Franz Marc aus. Sie wurde als exzentrisch eingestuft, fiel mit ihrem Kleidungsstil und Aussehen auf.

Else Lasker-Schüler: Schwere Schicksalschläge

In ihrer Literatur befasste sie sich neben Religiosität unter anderem mit ihren schweren Schicksalschlägen: So litt Else Lasker-Schüler schwer unter dem Verlust ihrer Mutter. 1926 erkrankte dann ihr Sohn an Tuberkulose, nach dessen Tod zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland zwang die deutsch-jüdische Dichterin schließlich dazu, in die Schweiz zu emigrieren, bis sie vor dem Zweiten Weltkrieg letztendlich nach Jerusalem floh. Ihr Schaffen als Dichterin wurde mit dem Kleistpreis geehrt, einer der höchsten literarischen Auszeichnungen zu dieser Zeit. 1945 verstarb sie schließlich mit 76 Jahren. In ihrer Heimatstadt Wuppertal erinnert ein Denkmal an Lasker-Schüler.

Ein aktuelles Google Doodle, das von der Frankfurter Künstlerin Cynthia Kittler gezeichnet wurde, ist Else Lasker-Schüler gewidmet – anlässlich des Gedichts “Mein blaues Klavier”, das am 7. Februar 1937 in einer Schweizer Zeitung erschien. Der Text ist eines von Else Lasker-Schülers bekanntesten Werken und wurde von ihr im Exil geschrieben.

via stern

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