Die große Atomkraft-Verschwörung — ein “Polizeiruf” über Justiz und Korruption

Ein komplizierter “Polizeiruf 110” aus dem deutsch-polnischen Grenzgebiet: Der Tod einer Journalistin bringt die Ermittler auf Unregelmäßigkeiten beim Bau eines Atomkraftwerks.

  • 3 von 5 Punkten
  • Ein etwas verworrener Fall um den Bau eines Atomkraftwerks in Polen, der jedoch bis zum Schluss spannend bleibt.

Worum geht’s?

Die junge Journalistin Anne Gerling (Antje Traue) verunglückt bei einer Autofahrt tödlich. Sie hat zuletzt an einer Geschichte über den Bau eines Atomkraftwerks gearbeitet, das ein französischer Energiekonzern in Polen errichten will. Obwohl zunächst alles nach einem Unfall aussieht, nehmen die Kommissare Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) Ermittlungen auf. Denn bei dem Bauvorhaben gibt es Unregelmäßigkeiten: Umweltschützer und Anwohner halten den Standort für ungeeignet — und haben Klage eingereicht. Ausgerechnet mit dem zuständigen Richter hatte die Investigativjournalistin ein Verhältnis. Die Ermittler brauchen lange, um das Knäuel an Strängen und Motiven zu entwirren.

Warum lohnt sich dieser “Polizeiruf 110”?

Viele Krimis sind nach dem gleichen Schema gebaut: Oft gibt es ein vordergründiges Thema, wirtschaftlichen Betrug oder einen politischen Skandal, und lange Zeit wird der Verdächtige im Zusammenhang mit diesem Delikt vermutet. Am Ende ist das Motiv dann jedoch fast immer privater Natur. “Tod einer Journalistin” ist in der Hinsicht deutlich weniger vorhersehbar. Am Ende kommt es dann aber doch etwas anders als man denken könnte.

Was stört?

Gewöhnlich greifen die deutschen Sonntagabend-Krimis ein gesellschaftliches Thema auf. Mauscheleien beim Bau eines Atomkraftwerkes in Polen zählen nicht dazu. Insofern dürfte das Grundproblem viele Zuschauer kalt lassen. Keine guten Voraussetzungen für ein Genre, das von der Spannung lebt.

Die Kommissarin?

Bei diesem “Polizeiruf” gibt es keine großen Mätzchen. Kein Stress mit den Kindern, keine Liebeleien – die Ermittlungsarbeit steht im Vordergrund. Die teilen sich die beiden Kommissare gut auf: Lenski ermittelt vorrangig im Gericht und begleitet den Prozess gegen den Bau des AKWs, Raczek verfolgt derweil andere Spuren. Am Ende kommen aber beide zu demselben Ergebnis.

Ein- oder Ausschalten?

Warum dieser komplizierte Krimi ausgerechnet in den geruhsamen Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr ausgestrahlt wird, weiß wohl nur die ARD. Wer am 29. Dezember nichts besseres vorhat, kann aber ruhig einschalten.

via stern

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