Häufig, aber oft unerkannt: Frau macht mit Schock-Foto auf Endometriose aufmerksam

Endometriose gilt als die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung in Deutschland. Sie ist nicht nur unheilbar, sondern auch für Betroffene äußerst schmerzvoll. Eine Engländerin zeigt mit Hilfe von Make-Up, wie sehr Frauen wirklich darunter leiden.

Andrea Baines lebt seit Jahren mit Endometriose. Die Künstlerin aus Liverpool (UK) hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, verstärkt auf die Krankheit aufmerksam zu machen. Denn obwohl Endometriose viele Frauen betrifft und für Betroffene alles andere als unsichtbar ist, wird sie in der Gesellschaft kaum wahrgenommen.

Endometriose betrifft viele Frauen, doch sie bleibt häufig unerkannt. Nicht zuletzt deshalb, weil nur ein operativer Eingriff den Verdacht auf die Krankheit bestätigen kann. Auch verwechseln Betroffene Endometriose zunächst mit einer sehr starken und besonders schmerzvollen Periode.

Endometriose: Schmerzvoll und unsichtbar

Wenn Zellen der Gebärmutterschleimhaut, des Endometriums, in Bereiche außerhalb der Gebärmutterhöhle gelangen und dort in Organe und Gewebe einwachsen, spricht man von Endometriose. Diese gebärmutterschleimhautähnlichen, sogenannten Endometrioseherde unterliegen, genau wie die Schleimhaut innerhalb der Gebärmutter, dem weiblichen Zyklus. Das heißt, sie wachsen unter dem Einfluss von Östrogen zunächst an, um dann während der Menstruation abzubluten.

So sind starke Schmerzen im Unterbauch typische Symptome für Endometriose, ebenso wie starke und unregelmäßige Monatsblutungen. Doch das bedeutet nicht, dass Endometriose nur im Zusammenhang mit der Periode auftritt – die Symptome können sich auch unabhängig vom weiblichen Zyklus zeigen. Weitere Symptome für Endometriose sind laut der Endometriose-Vereinigung die folgenden:

  • Bauch- und Rückenschmerzen, die auch in die Beine ausstrahlen können (sowohl vor als auch während der Menstruation)
  • Schmerzen während und nach dem Geschlechtsverkehr
  • Schmerzen bei gynäkologischen Untersuchungen
  • Schmerzen beim Stuhlgang oder Urinieren
  • Zyklische Blutungen aus Blase oder Darm
  • Ungewollte Kinderlosigkeit

Viele Ärzte glaubten Baines nicht

Auch Andrea Baines kennt diese Symptome sowie psychische Folgen der Krankheit selbst zu gut. Gegenüber Kidspot erzählt sie: “Es ist so wichtig, dass solche unsichtbaren Krankheiten anerkannt werden. Es ist für die Betroffene traumatisch genug, mit dem Schmerz zu leben, auch ohne ständig das Gefühl zu haben, über ihren Zustand lügen zu müssen. Es kann sehr isolierend sein, mit einer Krankheit zu leben, die niemand sehen kann.”

Sie selbst kostete es Jahre, bis sie schließlich die erlösende Diagnose bekam. Bis dahin hatte die britische Künstlerin es für normal gehalten, während der Periode so viel Blut zu verlieren, dass sie davon umkippte. Erst in ihren Zwanzigern begannen Ärzte genauer hinzusehen. Doch selbst verschiedene Operationen, die zur genauen Diagnose führen sollten, wurden von den Ärzten laut Baines inkorrekt durchgeführt.

An diesem Punkt habe sie realisiert, dass selbst Fachleute von Endometriose nicht ausreichend Ahnung hatten. “Ich denke, manche Ärzte glauben nicht an das Ausmaß dieser Krankheit.” Für sie sei es ein Glücksspiel gewesen, ob Mediziner ihren Schilderungen Glauben schenkten oder nicht. “Es gab sogar einen Frauenarzt, der mich eine Lügnerin nannte und sagte, der Schmerz sei nur in meinem Kopf.”

Daher sei es für Frauen wichtig, dass ihr Schmerz ernstgenommen wird. “Es ist nicht normal, mit chronischen Schmerzen zu leben. Es ist nicht einfach nur ein Teil des ‘Frau-Seins’.”

Blutige, offene Wunden im Inneren

Zusammen mit Rachel Berwick, ebenfalls Betroffene, hat Andrea Baines nun an einem Awareness-Projekt gearbeitet. Auf den Unterleib ihres 28-jährigen Models veranschaulichte Baines die Schmerzen – das Ergebnis jagt Betrachtern einen Schauer über den Rücken.

Blutige, fast schwarze, tiefe offene Wunden zieren den Bauch auf Höhe der Eierstöcke und entlang des Bauchnabels. Die Wunden aus Make-Up zeigen nicht nur, wo der Schmerz besonders stark ist, sondern auch, wo er seinen Ursprung hat und welchen Schaden er anrichtet. Denn das Organ, das dazu beiträgt, Leben zu schaffen, sorgt in Wahrheit für Zerstörung.

Das Model Rachel Berwick sagte über die Zusammenarbeit mit Baines: “Es war eines der bedeutsamsten, belohnendsten und persönlichsten Fotoshootings, an denen ich je teilhaben durfte.” Was das Projekt so besonders mache, sei die Tatsache, dass die Schmerzen, die Berwick verkörpert, echte Schmerzen sind.

Die Fotos, die aus dieser Zusammenarbeit entstanden, verbreiteten die beiden Frauen mit folgender Botschaft in den sozialen Medien: “Nur weil du es nicht sehen kannst, heißt das nicht, dass es nicht existiert.

“So fühle ich mich mit Endometriose”

Auf Instagram schreibt Andrea Baines zu dem Foto: “Ich weiß, das Bild bietet einen unangenehmen Anblick, aber glaubt mir, es ist noch viel unangenehmer, damit leben zu müssen. Ich wollte etwas Mächtiges kreieren […]. Es mag Make-Up sein, doch so fühle ich mich mit Endometriose. Der stechende Schmerz, das Verdrehen, die brennenden Schmerzen. Es herrscht täglich Krieg in meinem Inneren und es erschöpft mich.”

Die Resonanz auf das Projekt der Britin zeigt, dass viele weitere Frauen so empfinden wie Baines. Während manche einfach nur ihre Zustimmung ausdrücken, teilen andere ihre eigenen Leidensgeschichten mit der Künstlerin. So schreibt eine Frau: “Ich weiß genau, wie du dich fühlst. Ich hatte letztes Jahr eine Hysterektomie, nachdem ich zehn Jahre lang unter unvorstellbarem Schmerz gelitten haben – ich sagte, genug ist genug!”

via focus

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