MYTHOS JUNGFERNHÄUTCHEN: HAT ES MIT JUNGFRÄULICHKEIT ZUTUN?

Obwohl das Jungfernhäutchen wenig über die Jungfräulichkeit aussagt, hält sich der Mythos um diesen biologischen Keuschheitsgürtel noch immer…

Warum heißt es eigentlich Jungfernhäutchen und wo befindet es sich genau? Vermutlich würden die meisten Menschen von sich behaupten, diese beiden Fragen – zumindest halbwegs – sicher beantworten zu können. Von unseren Eltern, aus der Schule und sogar vom Frauenarzt kennen wir schließlich alle die Geschichte vom weiblichen Symbol für Jungfräulichkeit, die bis heute verbreitet wird.

Angeblich funktioniert das dünne Häutchen wie eine Art Siegel, das durch den allerersten Geschlechtsverkehr reißt. Deshalb kann es beim ersten Mal nicht nur schmerzhaft sein, sondern auch bluten. In einigen Familien, in denen Sex vor der Ehe nicht erwünscht ist, gilt das blutige Bettlaken in der Hochzeitsnacht noch immer als Beweis dafür, dass sich die Frau an die Regeln gehalten und jungfräulich in die Ehe gegangen ist. Jedoch gibt es ein Problem mit dieser Geschichte: Sie ist schlichtweg falsch.

DAS JUNGFERNHÄUTCHEN EXISTIERT NICHT

Das Jungfernhäutchen, auch Hymen genannt, welches in unserer Vorstellung die Vagina abschirmt, existiert nicht – zumindest nicht in dieser Form. Die ringförmig angeordneten Schleimhautfalten decken die Vagina normalerweise nicht ganz ab, was man daran sehen kann, dass es ja auch Blut und Sekret durchlässt. Daher kann es auch nicht durch einen Tampon zerstört werden. Ist es doch fast zugewachsen, handelt es sich um einen medizinischen Fall, der dringend behandelt werden muss. Da das Hymen bei jeder Frau anders geformt, dabei jedoch immer sehr flexibel ist, handelt es sich ebenfalls um einen Fehlglauben, wenn es heißt, eine Frau müsse bei ihrem ersten Mal in jedem Fall bluten. Fließt Blut beim Geschlechtsverkehr, handelt es sich um nichts anderes, als eine Verletzung. Deshalb kann es, vor allem beim allerersten Mal, natürlich auch vom Mann stammen.

JUNGFRÄULICHKEIT LÄSST SICH NICHT AM HYMEN ERKENNEN

Das Hymen kann sogar nach einer Geburt noch genauso aussehen wie vorher. Deshalb können weder Ärzte noch der Partner oder die Partnerin am Aussehen des Hymen mit eindeutiger Sicherheit feststellen, ob jemand noch Jungfrau ist oder nicht. Um dem Hymen eine wahre Bedeutung zu geben, entschied sich die »Schwedische Vereinigung für aufgeklärte Sexualerziehung (Riksförbundet För Sexuell Upplysing – RFSU) kurzerhand dazu, das Jungfernhäutchen in »vaginale Korona« umzubenennen. Korona steht griechisch für Kranz, Ring oder Krone und beschreibt die Beschaffenheit des Hymen damit perfekt. »Sprache bestimmt wie wir denken«, ließ die RFSU damals verkünden. »Der mythische Status des Jungfernhäutchens hat viel zu lange viel zu viel Unheil angerichtet. Dabei gibt es überhaupt keine Haut, die anzeigt, ob eine Frau Jungfrau ist oder nicht. Wir wollen Informationen darüber verbreiten, wie der Körper wirklich funktioniert, und dafür benötigen wir eine Sprache, in der das auch kommunizierbar ist«, erklärte Asa Regnér, die Generalsekretärin der RFSU. Der schwedische Sprachrat nahm die »vaginale Korona« 2009 sogar offiziell als neues Wort auf.

via monda

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