Muss sich Deutschlands Autoindustrie vor den Grünen fürchten? Kretschmanns Botschaft ist eindeutig

Es gibt viele Gründe, warum die Meinung des Winfried Kretschmann zurzeit besonders wichtig ist. Kretschmann füllt ja gleich zwei wichtige Rollen aus. Zuallererst, so würde er das sicherlich sehen, ist er Ministerpräsident von Baden-Württemberg, einem der wirtschaftlich erfolgreichsten Bundesländer Deutschlands. Sein Land ist auch deshalb so erfolgreich, weil es eine der Hochburgen der Autoindustrie ist. Man denke nur an Daimler, Porsche, Bosch, die alle ihren Hauptsitz in der baden-württembergischen Hauptstadt Stuttgart haben.

Dann ist Kretschmann aber auch ein wichtiger Vertreter der Grünen, die bald gute Chancen haben könnten, in der Bundesregierung zu landen, und denen nicht selten nachgesagt wird, dass sie für Autos gar nicht so viel übrig haben. Schließlich seien die Wagen nicht gut fürs Klima. Muss sich Deutschlands Autoindustrie also vor den Grünen fürchten?

Kretschmann ist natürlich kein Autofeind. Wäre er das, dann wäre er sicherlich nicht der beliebteste Ministerpräsident im Autoland Deutschland. Dann wäre er wahrscheinlich nie Ministerpräsident des Autoländles Baden-Württemberg geworden.

Kretschmann: „Bei den Pkw liegt die Priorität auf Batterieantrieb“

Wenn es um Autos geht, dann ist Kretschmann durch und durch Realpolitiker. Dann ist er einer, der sich konsequent für Industrie und Arbeitsplätze in seiner Heimat einsetzt. Der Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche zitiert und sagt: „Wir müssen alles dafür tun, dass wir Autoland bleiben — ein Autoland mit geänderter Mobilität und mit anderen Autos“. So geschehen in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“, das diesen Sonntag veröffentlicht wurde.

Apropos geänderte Mobilität, andere Autos. Da könnte man meinen, dass Kretschmann, der Grünenpolitiker, vor allem ein Auto lobt: das E-Auto, das kein CO2 aus dem Auspuff lässt, sondern im besten Fall ausschließlich erneuerbare Energie tankt. Also, Herr Kretschmann. Liegt die Zukunft der deutschen Autoindustrie im E-Auto, wollten die Journalisten des „Tagesspiegel“ wissen. „Bei den Pkw liegt die Priorität auf dem Batterieantrieb, da läuft der Markt jetzt hoch“, antwortete er. „In Deutschland werden wir Wasserstoff nicht in den Mengen herstellen können, um Millionen Fahrzeuge zu betanken.“

Elektroantrieb voraus also? Nicht so schnell. „Ich rate zu Technologieoffenheit“, erwiderte Kretschmann. „Für den Schwerlastverkehr, für Flugzeuge und Schiffe brauchen wir neue Treibstoffe. Deshalb müssen wir für diesen Sektor massiv in Wasserstofftechnologie investieren.“

Kretschmann nimmt Autoindustrie in Schutz

Tatsächlich hat sich bislang ausgerechnet Baden-Württembergs Autobauer Daimler mit dem Umstieg auf E-Autos besonders schwer getan. Die Premiummarke Mercedes ist unter den deutschen Herstellern am weitesten von den EU-Klimazielen entfernt. Auch deshalb drohte die EU im November Daimler mit milliardenschweren Strafzahlungen. Auch deshalb wartete Daimler dieses Jahr gleich mit zwei Gewinnwarnungen auf. Auch deshalb kommt für die nächsten drei Jahre ein Sparprogramm. Dabei sollen mindestens 10.000 Stellen wegfallen.

Kretschmann weiß um die Nöte von Daimler. Er weiß auch um die Nöte von Bosch und anderer Autozulieferer, die ebenso angekündigt haben, Stellen abzubauen. Er weiß, dass viele Probleme auch hausgemacht sind. Stichwort Dieselskandal. Stichwort E-Auto-Wende verschlafen. Kretschmann sagt aber auch: „Jetzt müssen wir […] aufhören, weiter auf sie einzudreschen.“ Die Unternehmen investierten sehr viel in neue, sauberere Antriebstechnologien. „Das verdient Respekt.“ Und das aus dem Munde eines Grünen. Vor ihm muss die Autoindustrie wahrlich keine Angst haben.

via businessinsider

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