Kursziel 7000 Dollar – Tesla mehr wert als VW und BMW zusammen

Vor wenigen Tagen titelten wir: “Teslas Traumfahrt – Aktie steigt über 600 Dollar”. Doch für die Titel des Elektroauto-Autobauers scheint es kaum noch Grenzen zu geben. Am Montag schnellte das Papier in der Spitze um 20 Prozent auf 786 Dollar hoch und kostete damit so viel wie nie zuvor. Wieder einmal.

Tesla, das nur einen Bruchteil der Autos von Volkswagen und BMW produziert, bringt es damit auf einen Börsenwert von rund 140 Milliarden Dollar und ist damit mehr wert als der weltgrößte Autobauer Volkswagen und BMW zusammen.

Analysten laufen der Rally schon länger hinterher, passen ihre Kursziele der enteilenden Aktie scheinbar willkürlich an. Bill Selesky vom Analysehaus Argus Research etwa hob am Montag das Kursziel von 556 Dollar auf 808 Dollar an. Der Experte begründete seinen Optimismus mit zu erwartenden Umsätzen vor allem des Model 3, das jetzt auch im virusgeplagten China seit geraumer Zeit vom Band läuft.

Übertrieben, meinen Sie? Es geht weit abgehobener. Nach einem Bericht des US-amerikanischen Finanzportals “Marketwatch” hat die Investmentfirma ARK für die Tesla-Aktie einen Wert von 7000 Dollar bis zum Jahr 2024 in Aussicht gestellt. Konservativ gerechnet wohlgemerkt. Im Falle einer Hausse traut ARK dem Papier bis zu 15.000 Dollar zu. Im schlechtesten Fall 1500 Dollar oder etwa das 2,5-fache des aktuellen Handelsvolumens.

Tesla werde wie ein Hightech-Unternehmen bewertet, hatte Volkswagen-Chef Herbert Diess unlängst beklagt. Doch selbst hohen Bewertungen im Technologiesektor ist Tesla mittlerweile entrückt.

“Bitcoin auf Rädern”, Tesla wird zur Glaubensfrage

Kritiker Gordon Johnson, Chef der Investmentfirma GLJ Research, interpretiert Tesla hingegen als “Bitcoin auf Rädern”. Angesichts der teils hohen Kursschwankungen und des irrationalen Hypes um – ja, einen Autobauer eben – kann man es wohl kaum treffender formulieren. Das Unternehmen sei völlig überbewertet. “Wir glauben, dass das Jahr 2020 für sie eine Katastrophe sein wird.”

Tesla spaltete schon immer. Doch je höher Teslas Kurs steigt, desto mehr entzweit der Elektroautobauer auch die Experten. Ein Aktienkurs, der ja eigentlich die künftigen Marktchancen eines Unternehmens abbilden soll, gerät so zusehends zur Glaubensfrage.

40 Prozent Gewinnmarge im Elektroautobau?

Angesichts der nach wie vor noch enormen Investitionen, die für eine reibungslose Elektroauto-Massenproduktion notwendig sind, fällt es in der Tat derzeit auch schwer, Gewinnmargen von 40 Prozent als realistisch anzuerkennen. Dieses “Argument” führt ARK dem Bericht zufolge aber genauso an wie eine Vorherrschaft Teslas beim autonomen Fahren, um die in Aussicht gestellte Kursentwicklung zu untermauern.

Doch man muss wohl wie ARK-Chefanlagestrategin Catherine Wood fest davon überzeugt sein, dass Tesla eben kein Autobauer, sondern ein Technologie-Revolutionär ist, der so gut wie “jede Facette des Lebens, wie wir es heute kennen, auf den Kopf stellen wird”. Ein zweites Amazon eben.

In der Tat gab es auch vor gut 25 Jahren viele Zweifler, als Amazon begann, seine Päckchen zu verschicken. Und längst krempelt Amazon-Chef Jeff Bezos eine Branche nach der anderen um, scheinen sich Aktionäre an regelmäßige Gewinne gewöhnen zu dürfen. Die vermeintliche “Weltherrschaft” aber, wie sie astronomisch hohe Kursprojektionen bei Tesla derzeit zu unterstellen scheinen, müsste sich Elon Musk dann schon mit Jeff Bezos teilen.

via manager-mgazin

Leave a Reply

%d bloggers like this: